Chronik

Höchst / Feuerwehr

Einige Daten aus der Chronik von Höchst am Main

 


Dr. Rudolf Schäfer, 1914 in Höchst geboren, war Historiker und 16 Jahre lang Vorsitzender des Höchster Vereins für Geschichte und Altertumskunde (e.V.). Herr Schäfer verstarb am 17. Juli 1985. Sein nachfolgender Beitrag aus dem Jahr 1986 wurde originalgetreu übernommen. Lediglich die Rechtschreibung wurde der heutigen Schreibweise angepasst und einige Ausführungen wurden durch Fußnoten erläutert. Es ist davon auszugehen, dass Schäfer sehr sorgfältig geprüft und niedergeschrieben hat. Der Bericht endet mit dem Jahr 1945.


1355 Höchst wird zur Stadt erhoben und erhält die Stadt- und Marktrechte. Ein Gebäude wird zur Aufbewahrung von Feuerlöschgeräten bestimmt.

1586 10. Dezember: Beim großen Stadtbrand verbrannten 56 Häuser, 25 Scheunen, das Rathaus, die Badstube, das Mainzer Tor (Untertor) und damit die Hälfte der Stadt. Im Diarium der Antoniter steht:
„1586 Högst gebrandt in Vigilia Damasi, war der Main gefroren, stundt 5 wochen zu“.(Der Tag des hl. Damaskus ist der 11. Dezember, die „Vigil“, der Vortag, also der 10. Dezember.)

1599 Errichtung einer neuen Badstube und die Vergrößerung des Brandweihers auf der Wed. Höchst zählt 78 Bürger und zehn Witwen, acht verwüstete und öde Häuser werden verzeichnet. Januar: Bernhard, Herzog von Sachsen-Weimar (*1604 †1639) brennt das Schloss und einen Teil der Stadt auf seinem Zug von Frankfurt nach Mainz nieder. Kurfürst Anselm von Wambold schreibt dies am 19. März 1635 aus Köln an Kaiser Ferdinand II. Von 126 Familien zu Beginn des Krieges sind 51 ausgestorben; zu den 75 alteingesessenen Familien waren 27 neu hinzugezogen, so dass nun die Gesamtzahl 102 beträgt. Juli: Tod der Rosina Mühlheimer, Frau des Bäckers Johann Georg Mühlheimer. „Sie ist in ihrem Haus im Rauch elend erstickt.“

1728 12. April: Katharina Hill, siebzehn Jahre alt, wird im Haus des Wächters vor dem Untertor (Mainzer Tor) vom Blitz erschlagen.

1748 22. Juli: Die Stadt bestellt eine Feuerspritze bei den Spritzenmachern Johann Georg und Johann Philipp Bach zu Hungen im Braunfelsischen für 630 Gulden.

1751 In der Porzellanmanufaktur entsteht ein Brand.

1758 Der Höchster Amtmann Graf Stadion erlässt in 17 Artikeln eine Feuerordnung.

1760 Juli: Im Untertor, dem Mainzer Tor oder Specht, das als Gefängnis diente, bricht ein Brand aus.

1760 Höchst hat 690 Einwohner.

1760 Höchst zählt 19 Feuerrechte mit acht Bierbrauereien, sechs Bäckern, drei Schmieden und zwei Schlossern.

1761 Brand im Höchster Rathaus, verursacht durch die Wache des Regiments Alsace

1762 Ausbruch eines Brandes in der Porzellanmanufaktur.

1778 24. September: Nachts um zwei Uhr entstand ein großer Stadtbrand, bei dem 15 Wohnhäuser und sieben Scheunen sowie fünf Häuser mit Ställen und Scheunen zerstört wurden. Der Gesamtschaden belief sich auf 26.712 Gulden.

1780 Höchst hat rund 850 Einwohner.

1781 In Kurmainz wird eine Feuer-Assekuranzgesellschaft neu errichtet. In diesem Jahr gab es in Höchst keinen Brandschaden.

1788 6. August: In der Malerstube der Porzellanmanufaktur entstand ein Brand, der aber nur einen Schaden von zehn Gulden anrichtet.

1789 30. November: Im Feuer-Assekuranz-Kataster der Stadt Höchst ist einschließlich der Vorstadt (Neustadt) ein Gesamtwert für alle versicherten Objekte von 284.280 Gulden angesetzt.

1799 14. Februar: Als Frau Eva Klitsch, die ein Jahr krank war, zu Hause Kaffee röstete, erlitt sie einen Schlaganfall, stürzte ins Feuer und erlitt so starke Verbrennungen, dass sie starb. Die Totalsumme des Höchster Feuer-Assekuranz-Katasters ist einschließlich der Vorstadt (Neustadt) auf 250.500 Gulden angesetzt.

1812 22./23. Dezember: Brand des Kronberger Hauses, Bolongarostraße 152. Der obere Stock mit dem hohen Dach brannte nieder und wurde nicht mehr aufgebaut. Zum Brandort schickten 48 Ortschaften ihre Feuerspritzen, die einige Tage blieben und der Stadt insgesamt 557 Gulden 53 Kreuzer Kosten verursachten.

1817 Höchst hat 1.677 Einwohner.

1843 Neugründung einer einklassigen Realschule im Haus Zum weißen Roß (heute Bolongarostraße 176). Die Stadt hatte das Haus von der Witwe des Gastwirts Johann Steinebach gekauft, um es als Rathaus (bis 1874) zu nutzen. In ihm befinden sich außer der städtischen Verwaltung das Eichamt und das Spritzenhaus, Einfahrt von der Langgasse, heute die Straße Alt Höchst.

1852 Gründung der "Freiwilligen Feuerwehr Höchst", angeregt dadurch, dass der Heidelberger Fabrikant Carl Metz eine neue Saug- und Druckspritze vorführte.

1858 Großfeuer in der Bettfedernfabrik Wolf in der Amtsgasse.3. Juli: Um 16.00 Uhr Dachbrand in der Stiftenfabrik, ehemals Schleifmühle. Höchst hat jetzt 2.535 Einwohner. Selbständige Gewerbetreibende: 11 Metzger, 15 Schneider, 43 Schuhmacher, etwa 20 Fischer und noch einige Landwirte. Gründung der Firma Zulauf & Co. zunächst zur Herstellung von Beleuchtungskörpern, dann für Feuerlöschgeräte.

1870 Schließung der Taunushütte in Höchst nach einem Explosionsunglück, das zwei Menschenleben forderte.

1875 Gründung der Firma Josef Schmitz & Co. zur Herstellung von Armaturen und Feuerlöschgeräten. Josef Schmitz starb 1905; die Firma stellte 1976 ihren Betrieb ein.

1879 Die Freiwillige Feuerwehr Höchst siedelt ins Kronberger Haus über, ein Jahr darauf erhält sie Messinghelme.

1880 Höchst hat 4.978 Einwohner.

1897 27. Oktober: Höchst hat 12.061 Einwohner: 6824 Katholiken; 5.043 Protestanten; 34 Israeliten; 60 Sonstige.

1899 Bau des Hauses an der östlichen Ecke Königsteiner Straße/ Hauptstraße 48 (jetzt Bolongarostraße 128). Das Haus wurde später "Würzburger Eck" genannt, da im Erdgeschoss das Herrenbekleidungsgeschäft Julius Würzburger etabliert war. Das vierstöckige Haus hatte auf dem Dach ein Belvederchen, das mit dem Dach im Juni 1940 einer Luftmine zum Opfer fiel. Dabei wurde auch die Gaststätte "Zum Hirsch", Bolongarostraße 126, zerstört.

1899 Brand in der Gelatinefabrik.

1901 25. April: In der Chemischen Fabrik Griesheim zerstört eine Explosion die Pikrinsäurefabrik. 27 Menschen sterben. Die Freiwillige Feuerwehr Höchst war mit eingesetzt.

1911 4. April: Tod von Schreinermeister Georg Schäfer, Mitbegründer des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Höchst (1894). Er stand 42 Jahre im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Höchst, war Ehrenhauptmann und Kreisbrandmeister.

1912 Höchst zählt 17.199 Einwohner und feiert das 60jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr. Diese hat 170 aktive Mitglieder! 6./7. Januar: Die Maschinenfabrik Karl Dillmann ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag niedergebrannt. Sie war in dem Seitengebäude des Bolongaropalastes auf der Westseite der Kranengasse und an der Südfront des ehemaligen Wasserwerks von Hermann Breuer untergebracht. Der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen des Feuers auf den Bolongaropalast zu verhindern.

1918 Anfang Januar: Brand in der Gießerei Zulauf & Co. Die Löscharbeiten gestalten sich durch die Kälte von minus 10 Grad sehr schwierig 11. Januar: Die Freiwillige Feuerwehr Höchst bezieht zum erstenmal seit ihrer Gründung (1852) eine eigene Unterkunft. Ab 1928 wird sie der Frankfurter Berufsfeuerwehr im Zuge der Eingemeindung mit allen Fahrzeugen und Geräten zugeordnet. Die Männer der Höchster Wehr durften bei Alarmen sich nur in der Fahrzeughalle der Wache aufhalten. Dieser Zustand hat sich dann jahrelang nicht sonderlich verändert. Die Unterkunft war der Städtische Bauhof.


Anmerkung des Herausgebers: Zur Zeit der Eingemeindung nach Frankfurt war der Branddirektor Johannes Schänker der Leiter der Frankfurter Branddirektion. Er übernahm jetzt auch die Verantwortung für Höchst. Als Sohn eines Stadtrates und Feuerwehrchefs in Eberswalde geboren, studierte er dort das „Maschinen- und Ingenieurswesen mit Einschluß des Schiffbaues“ und kam über die Berliner Feuerwehr, die Hamburger und die Dortmunder Feuerwehr 1906 nach Frankfurt. Er wurde aus 76 Bewerbern ausgewählt.

Schänker war ein äußerst umstrittener Mann, der vor allem preußische Tugenden pflegte. So hatte er einen erheblichen Widerwillen gegen die Sozialdemokraten und führte jahrelang Auseinandersetzungen mit seinem sozialdemokratischen Dezernenten. Auch mit seinen Offizieren ging er nicht immer beamtenrechtlich korrekt um, was im verschiedene Beschwerden einbrachte. Folgerichtig war er bei seinem Dezernenten nicht sonderlich beliebt, was ihn aber nicht hinderte, zäh seinen Zielen nachzugehen. Nach seiner Pensionierung schreibt Schänker 1934 an den damaligen Oberbürgermeister: „(Meine) Unbeliebtheit, die nicht auf Leistungsmangel beruht, sondern ihre Ursache in meinem Kampfe mit der SPD, die schon vor dem Kriege unter den Beamten und Angestellten der Feuerwehr Platz zu greifen versuchte und in mir den schroffsten Widersacher sehen musste. Ein Kampf, dessen Folgen sich gleich nach der Revolution für mich bemerkbar machten, der zu meiner Enthebung aus der Amtstätigkeit auf die Dauer fast eines Jahres führte. Man fürchtete meinen Einfluss in dem grossen Angestelltenkörper der Feuerwehr.
Zu seinen Mannschaftsdienstgraden war der damalige Branddirektor, wenn auch oft bärbeißig, sehr fürsorglich. Das berichtete mir die 85jährige Tochter, Irmgard Schänker, vor einigen Jahren. So lässt der Branddirektor zum Beispiel einen Oberfeuerwehrmann zur Brandmeisterprüfung zu, obwohl der Personaldezernent dies untersagt hatte. Schänker argumentierte, dass allein die fachliche Leistung eines Mannes entscheidend sei, nicht aber dessen Alter.
Dass er sozialen Verbesserungen durchaus aufgeschlossen war, beweisen aber einige Aktivitäten, etwa der Bau von Wohnungen für Mitarbeiter, die Einrichtung einer Sterbekasse und einer „Kohlenkasse“ sowie, als bemerkenswerte Tat, die Einrichtung der „Freien Arzt- und Medizikasse“. Diese private Krankenkasse, die seit 1911 von den Angehörigen der Frankfurter Berufsfeuerwehr ins Leben gerufen wurde, besteht noch heute. Inzwischen gehören der Kasse nicht nur alle Frankfurter Berufsfeuermänner (und –frauen), sondern auch nahezu alle hessischen Polizeibeamten, Angehörige des Bundesgrenzschutzes, Beamte und Beamtinnen vieler Verwaltungen und der Justiz an. Die private Krankenkasse, als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, hat heute weit über 27.000 Mitglieder. Im Jahr 2001 wurde sie auch für Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr geöffnet.
Fachlich war Johannes Schänker ein weit über Frankfurt hinaus bekannter Mann. Er gilt als der Erfinder der heutigen Feuerlöschfahrzeuge: Als erster im ganzen Reich experimentierte er bereits ab 1905 mit Verbrennungsmotoren in solchen Fahrzeugen. Das brachte ihm zwar den Spott der deutschen Branddirektoren ein, was ihn aber unbeirrt ließ. Ab 1930 konstruierte er Feuerwehrfahrzeuge, deren Aufbau komplett aus Leichtmetall bestand. Zahlreiche Vorträge, Veröffentlichungen und die Mitgliedschaft in Fachgremien weisen Johannes Schänker als äußerst kreativen Mann aus.

1933 Brand des Farbenlagers in den Farbwerken Hoechst. Es brannte das Farbenlager mit der Gebäudebezeichnung F 32 und stand 20 m vom Main entfernt weg. Es war ein Großfeuer, bei dem auch die Freiwillige Feuerwehr Höchst eingesetzt war.

1936 (Ab) waren alle Freiwilligen und Berufsfeuerwehren staatlich zur Feuerlöschpolizei oder Feuerschutzpolizei ernannt worden. Es gab dann in ganz Deutschland nur noch eine Feuerwehr, die eine Abteilung der deutschen Polizei war.

1938 9./10. November. Die 1905 erbaute Synagoge wird von nazistischem Pöbel zerstört und innen halb verbrannt. An die angrenzende Scheune und zu den gegenüber stehenden Altstadthäusern wurde die Wache 5 der Berufsfeuerwehr befohlen. Sie ging dort in Bereitschaft mit C-Rohren, einzugreifen brauchte sie fast kaum (das Eingreifen war weitgehend untersagt).

1940 7./8. Juni: Erster Luftangriff auf Höchst. Abwurf von vier schweren Sprengbomben von je etwa 200 kg, getroffen wurden die Häuser Bolongarostraße 126, Kasinostraße 9, Emmerich-Josef-Straße 12, Bauhofstraße 2 (Das Haus neben der Feuerwache). Verluste: 13 Tote, 2 Schwerverletzte, 20 Leichtverletzte. 29./30. Juni: Zweiter Luftangriff auf Höchst. Getroffen wurden die Häuser Leunastraße 10, Brüningstraße 29, Arbeiterheim 115/116 und 125, der Hörsaal im Peter-Behrens-Bau und die Werksbibliothek.

1940 12. September: Nachtangriff von zwei Flugzeugen (8 Sprengbomben, 36 Brandbomben) auf die Farbwerke Hoechst; einige Schäden.

1941 7./8. Juli: Leichte Fliegerschäden entstanden im Westflügel des Bolongaropalastes.

1943 22. Dezember: Durch Nachtangriff auf Höchst mit 20 bis 30 Flugzeugen
(3 Sprengbomben, 50 Brandbomben) entstanden nur geringe Schäden.

1945 8. Januar: Bei einem Tagesangriff von 180 amerikanischen Flugzeugen (viermotorige Bomber und Jabos) auf die Bahnanlagen in Frankfurt (850 Sprengbomben, 5000 Brandbomben) werden Wohngebiete in Höchst und Nied getroffen.

1945 10. Februar: Bordwaffenbeschuss und Bombenabwurf auf das Werk Hoechst.

1945 17. März: Bordwaffenbeschuss und Bombenanwürfe von etwa 20 Flugzeugen auf Höchst, Tote und Verletzte. An diesem Tag war klares Wetter und gute Sicht, ein Wetter, wie für die Jagdbomber (Jabos) geschaffen. Sie waren den ganzen Tag über Höchst und seiner Umgebung. Zu zählen waren sie überhaupt nicht, sie waren überall und kamen meist aus der Sonne und haben auf alles geschossen, was sich bewegte, so war es auch an diesem Tag. Es war Samstagvormittag. In den Höchster Bahnhof lief ein Lazarettzug ein und suchte vermutlich Deckung, auch der Bunker war vom Bahnsteig aus gleich zu erreichen. Aber trotzdem haben die Jabos ihn gesehen und angegriffen. Es waren vier Jabos, die da kamen, immer einer hinter dem anderen. Einer von ihnen klinkte eine Sprengbombe aus (zirka 50 kg wurde sie hinterher geschätzt), jedoch wurde der Zug nicht getroffen, sondern das Haus an der Ecke Emmerich-Josef-, Ecke Justinuskirchstraße, es war ein eingeschossiges Haus. Die Bombe durchschlug das Haus und explodierte im Keller, das ganze Haus war weg, nur ein Trichter und Trümmer waren übrig geblieben. Die beiden Hausbewohnerinnen kamen dabei um, es war nicht leicht, sie noch zu finden. Der Keller, oder das was noch davon übrig war, lief voller Wasser, da die Wasserleitung nicht gleich abgestellt werden konnte. Es wurde trotz Fliegeralarm im Haus gesucht, ob noch jemand am Leben sei, aber es war hoffnungslos! Die mussten zwischendurch immer wieder in Deckung gehen, wenn die Jabos kamen. Sie hatten auf alles was sich bewegte geschossen. In Höchst fielen leichte und schwere Bomben, die leichten waren meist die Stabbrandbomben, die noch am ehesten von allen vernichtet werden konnten. Die gefährlichsten Brandbomben waren die Phosphor-Kanister, die erst ein Jahr später die Stabbrandbomben abgelöst haben: Wehe dem Haus oder der Scheune, die solch einen Kanister abbekamen, sie konnten meist nicht mehr gerettet werden, mit Wasser war da nicht viel zu machen. Die Sprengbomben waren meist unterschiedlich im Gewicht und dadurch auch unterschiedlich in der Sprengkraft. Am allerschlimmsten waren die Luftminen, gegen sie gab es nur einen Schutz: Ganz weit weg oder aber ein Luftschutzbunker mit sehr dicken Wänden. Bei dem Bauer Wambach in der Emmerich-Josef-Straße fielen bei einem Nachtangriff zwei solcher Kanister auf die Scheune, aber keiner hat gezündet, die Kanister sind nur ausgelaufen. Wer aber mit der Kautschuk-Phosphor-Masse in Berührung kam, konnte sich schwere Verletzungen zuziehen und mit den Schuhen war nichts mehr anzufangen, sie "waren hin". Auf den Bahnhofsbunker fielen zwei Luftminen, sie drückten nur oben das Dach ein, die Menschen im Bunker selbst spürten das nicht, aber in der Umgebung gab es großen Schaden. Es fielen dort noch Sprengbomben, wobei die E- H-P völlig zerstört wurde und nebenan die Turnhalle der Freien Turner, der Würzburger Hof und ein Wohnhaus, alles total zerstört. Tote und Verletzte gab es leider auch. Es war am Ausgang gegenüber dem Höchster Bahnhof.
In den Farbwerken Hoechst wurde das große Düngemittelsilo stark getroffen, auf dem Silodach standen mehrere leichte Flakgeschütze der Wehrmacht. Es waren Vierlingsflaks 2 cm und 3,7 cm. Diese wurden von jungen Flakhelfern und ausgebildeten Arbeitern bei Fliegeralarm bedient. Das Silo bekam einen Bombentreffer, es gab zum Glück keinen Toten, aber ein paar Leichtverletzte durch die explodierende Munition und gelagerte Lackfarben. Es war dort eben ein ziemlich großes Feuer und große Hitze, so dass die Flakmannschaft ihre Geschütze verlassen musste.
Die Freiwillige Feuerwehr Höchst war in den Kriegsjahren bei vielen Einsätzen, Bombenangriffen in Höchst, Frankfurt und in der Umgebung dabei. Die Hälfte der Männer der Freiwilligen Feuerwehr Höchst war bei der Wehrmacht oder war freigestellt. Tagsüber mussten sie zu ihren Arbeitsstellen, jedoch bei Alarm zur Feuerwache und waren dann einsatzbereit. Sie waren bei den Großangriffen mitunter tagelang nicht zu Hause oder gar auf der Arbeitsstelle. Selbst bei Bombenangriffen sind sie losgefahren, manches mal ging das gar nicht anders. Die Pflicht wurde erfüllt, egal ob Freiwilliger oder Berufsfeuerwehrmann. Dank gab es sowieso keinen, weder damals noch heute.

Der zivile Bevölkerungsschutz (Feuerwehr) in Frankfurt am Main von 1933 bis 1945
Bereits seit 1933 war eindeutig ein Angriffskrieg durch Deutschland geplant. Vorbereitend gehörte dazu der Aufbau des zivilen Luftschutzes, der Feuerwehr. Schon 1939 gibt es die „Vorläufige Ortsanweisung für den Luftschutz der Zivilbevölkerung“ in 4. Auflage. Gemäß den Richtlinien wird Frankfurt am Main als „Luftschutzort I. Ordnung“ festgelegt (Klassen I, II und III nach der Zahl der Bevölkerung und Wichtigkeit der Kriegsindustrie). Die Städte Offenbach und Oberursel waren dem Luftschutzort Frankfurt a. M. unterstellt.


Der Aufbau und die Gliederung:
Selbstschutz
Erweiterter Selbstschutz
Werkluftschutz
Luftschutz der Reichsbahn und Reichspost
Luftschutzwarndienst
Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) (später Feuerschutzpolizei)

Verantwortlich für den zivilen Luftschutz war der Polizeipräsident als „örtlicher Luftschutzleiter“. Zum SHD gehörte der Feuer- und Entgiftungsdienst (F. und E.- Dienst) - somit die gesamte Feuerwehr, also auch die von Höchst.

Der F. und E.-Dienst gliederte sich wiederum in:
Fünf Feuerabteilungen (FE – Abteilung), diese mit je
12 Feuerwehr – Bereitschaften (Abteilung Ost und West je drei Bereitschaften, Abteilung Nord, Süd und Offenbach mit je zwei Bereitschaften).

Jede Bereitschaft bestand aus:
Zwei schweren und einem leichten Löschzug,
einem Entgiftungszug, der auch, wenn er als solcher nicht zum Einsatz kam, als leichter Löschzug verwendet wurde,
Sonderfahrzeugen wie PKW, Kraftdrehleitern und Schlauchwagen.

Höchst bildete die 8. Bereitschaft mit den schweren Zügen 81 (einschließlich einer Drehleiter) und 82. Der Zug 82 war in Sindlingen in der Allesinastraße stationiert. Bei dem Zug 83 handelte es sich um den leichten Löschzug (auch als E. Zug bezeichnet), der am 13.10.1942 vom Bauhof in das Kronberger Haus verlegt wurde.

Rettungsdienst in Höchst
Der Begriff „Rettungsdienst“ hat sich erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts herausgebildet. Bis dahin verstand man unter diesem Begriff eigentlich die Rettung von Menschen, Tieren und Sachwerten aus Feuersgefahren. Heute versteht man unter Rettungsdienst die organisierte Hilfe mit der Aufgabe, Notfallpatienten noch am Unfall- oder Notfallort lebensrettende Maßnahmen zukommen zu lassen. Dazu gehört, die Transportfähigkeit (durch Rettungswagen, Notarztwagen oder Rettungshubschrauber) des Patienten herzustellen und durch Vermeidung weiterer Schäden diesen in ein geeignetes Krankenhaus zu befördern. Es gehört auch zur Aufgabe des Rettungsdienstes, Nichtnotfallpatienten zu transportieren und während des Transportes die notwendige medizinische Versorgung zu sichern (Krankentransport). Damit auch alles seine Ordnung hat - wir leben ja schließlich in Deutschland - ist das alles in einer Norm (DIN = Deutsches Institut für Normung) festgeschrieben.

Gerade im westdeutschen Raum, bedingt durch die amerikanische Besatzung nach dem 2. Weltkrieg, ist der Rettungsdienst ein wesentlicher Bestandteil der Feuerwehren. Die Frankfurter Berufsfeuerwehr leistete sehr früh den Rettungsdienst. Bereits um die Jahrhundertwende 1899/1900 besaß sie zwei eigene mit Pferden bespannte Krankenwagen.

Die Freiwillige Feuerwehr Höchst war so vorausschauend, dass sie schon sehr früh die Zusammenarbeit mit der 1892 gegründeten Sanitätskolonne Höchst, „der wackeren Mitarbeiterin der Freiwilligen Feuerwehr“, suchte. Diese war beim Roten Kreuz angesiedelt und am Höchster Krankenhaus stationiert. Die Zusammenarbeit muss äußerst gut gewesen sein - erhielt doch der damalige Leiter der Kolonne, Sanitätsrat Dr. Paul Schwerin, Chefarzt am Krankenhaus, schon 1902 die Ehrenmitgliedschaft der Höchster Feuerwehr. In Höchst ist eine Straße nach Dr. Schwerin benannt. Nachfolger von Dr. Schwerin wurde 1912 Dr. Baedorf.