Justinuskirche Höchst

 

 

13000 v.Chr. Spuren zeitweiser Anwesenheut von Menschen im Raum Höchst (Altsteinzeit, überarbeitete Hirschgeweihe)


5000 v.Chr. Erste feste Besiedlung

1.Jhdt n.Chr. Besiedlung durch Römer. 4.Jhdt: Die Alemannen erobern diesen Siedlungsraum; im

5. Jhdt
werden diese von den Franken abgelöst. In Fränkischer zeit entsteht wohl der Name Hostat=Hohe Stätte

790 Höchst wird erstmals urkundlich erwähnt: Als Schenkung an das Kloster Lorsch

830 ca Baubeginn, nachdem Erzbischof Otgar von Mainz die Reliquien des hl. Bekenners Justinus aus Rom mitgebracht hatte. Fertigstellung des Kirchenbaus 850 (plus-minus 8) Diese frühe Datierung wurde zuletzt 1999 durch Sondierung des Erdreiches unterhalb der Kirche bestätigt. Die Kirche von Erzbischof Rhabanus Maurus (Mainz) eingeweiht. Die Kirche diente Höchst und Umgebung als Pfarrkirche.


1024 Die Justinuskirche dient einer Synode aller dem Mainzer Erzbischof unterstellten Suffraganbistümer als Tagungsort.

1090 Die Kirche wird den Benediktinern von St. Alban/Mainz übertragen. Sie ist nun zugleich Pfarr- und Klosterkirche.
Ausbesserungen an Dach und Mauerwerk sind notwendig. Vermutlich wurden damals schon die Nord- und Südapsiden entfernt.

Um 1200 Wehrturm aus der Stauferzeit; möglicherweise auch eine umfassendere Befestigungsanlage auf dem unmittelbar neben dem Standort der Justinuskirche liegenden "Schloßberg"

1246 Schlacht von Höchst zwischen Konrad IV., dem Staufer un d Gegenkönig Heinrich Raspe von Thüringen

1298 Die Gebeine des Titelheiligen der Kirche, Justinus, werden nach St. Alban in Mainz überführt; die Höchster Kirche wird statt dessen der heiligen Margarete geweiht. Dies ist bis heute so geblieben, wenngleich die Kirche immer "die Justinuskirche" geblieben ist.


1355 Erzbischof Gerlach von mainz erwirkt bei Kaiser Karl IV die Stadt- und Marktrechte. Höchst wird befestigt. Die Wasserburg entsteht. Ein Mainzoll wird errichtet, jahrhunderte langes Ärgernis für den Warenverkehr zwischen Mainz und Frankfurt. 1396 wird die Burg und teile der Stadt Höchst von dem Frankfurter Stadthauptmann Johann von Kronberg zerstört; der Wiederaufbau wird unmittelbar danach in Angriff genommen.

1419 Die Mainzer Benediktiner geben ihr Höchster Kloster auf. Jetzt ist Justinus wieder reine Pfarrkirche.


1432 Ein erster bescheidener Ausbau erfolgt: Baubeginn der Kapellen an der Nordwand der Kirche.

1441 Ein anderer Orden, nun die Antoniter, übernimmt die Kirche, die nun wieder Pfarr- und Klosterkirche wird. Die Kapellen an der Nordseite werden vollendet. Der bis heute das Bild der Kirche prägende gotische Chorbau beginnt.

1463-1475 Dieter von Isenburg residiert im Höchster Schloß. Die Stadtbefestigung wird erneuert und verstärkt.

1448Catharina von Holzhausen stiftet den Altar in der "prima capella" der neuen Nordseitenkapellen.


1454Während der nächsten zehn Jahre wird der Lettner errichtet und an der Nordwand eine Schwalbennest-Orgel genbaut.

1464Der Chorturm aus dem 9 Jahrhundert über dem Hauptaltar wird abgerissen.

1477Der Pfründner Johannes Langsdorf läßt das große Kruzifix herstellen, das noch heute im Innenraum der Kirche (Südseite / Höhe Sakristei) hängt.Eine Schule für Höchst ist bezeugt. Höchst hat ca 500 Einwohner.

1485Der heute in der Mittelkapelle (Nordseite) aufgestellte Kreuzaltar wird in Worms gemalt und wird als Gemeindealtar vor dem Lettner aufgebaut. ebenso in Worms wird die Holzstatue des sitzenden Antonius gefertigt. Sie ist fürt den alten Hochaltar der Kirche bestimmt.


1523Nach Setzungen des Chorfundamentes und nach leichten Erdbebebschäden muss das Chorgewölbe wegen Einsturzgefahr abgetragen werden und wird durch eine bis 1930 bestehende provisorische (!) Bretterdecke ersetzt.

Ende 1500: Starke Bautätigkeit in Höchst. Das noch erhaltene Renaissance-Rathaus wird errichtet, ebenso das Greifenklau´sche und Kronberger-Haus, Dalberghaus und Antoniterkloster werden umgebaut. Alle diese Bauten sind heute noch erhalten.

1614Die Chorfenster traghen die Wappen von Eppstein (Taunus), Runkel (an der Lahn), Kronberg (nahe Höchst im Taunus) und Eysenburg (Isenburg)


Um 1 500: Die Wasserburg wird von Erzbischof Wolfgang von Dalberg in ein Renaissanceschloss umgebaut.

1618-1648 Dreißigjähriger Krieg mit Folgen für das an einer wichtigen Ost-Westverbindung gelegene Höchst. 1622 Schlacht bei Höchst mit dem Sieg des (katholischen) Tilly über den (protestantischen) Christian von Braunschweig.

1631 erobert (der protestantische) Schwedenkönig Gutav Adolf Höchst. Erster evangelischer Gottesdienst im Höchster Schloß. 1635 Teil von Höchst und das Schloss werden durch die Truppen Bernhards von Weimar zerstört.

1648Am Ende des 30-jährigen Krieges erfolgt eine eine Neueinweihung der durch die Soldadeska entweihten Kirche.

1726 Der neue Hochaltar aus der Mainzer Werkstatt des Johannes Wieß wird in der Kirche aufgestellt.

1730-1743 Phase der Barockisierung der Kirche.
Die karolingisch/spätgotischen Fenster im Mittelschiff werden durch ovale "Ochsenaugen" ersetzt, ebenso der ehemalige Eingang unter der Orgel. Das Dach des Chores wird neu gedeckt. Barockes Silbergeschirr (zB auch Kerzenleuchter) für den Altar wird angeschafft.

1737/38 Aufstellung der neuen Orgel des Mainzer Meisters Onymus.

1746 wird die Höchster manufaktur gegründet.

1768 unterzeichnet Kurfürst Emmerich Josef das Gründungsdekret für die Höchster Neustadt.

1772 Bau des Bolongaropalastes durch die Bankiersfamilie Bolongaro.

Ende des 18. Jhdt ist die Bevölkerung von Höchst auf ca 800 Personen angewachsen.

1802/03 Aufhebung des Klosters durch das Fürstentum Naussau/Usingen. Die Kirche bleibt jedoch Pfarrkirche. In der Folge erhebliche Veränderungen an den Altären (damals noch sieben) und der AusstattungDer kurmeinzer Staat wird aufgehoben, Höchst fällt an 1802 Naussauen,

1866 an Preussen.

1810Der bei der Kirche befindliche Friedhof wird in nordwestlicher Richtung ca 500 m von der Kirche wegverlegt (heute Luciusstraße).


1812Der Lettner und der davor befindliche Kreuzaltar werden abgebaut. Die alte, am Lettner errichtete Kanzel, wird durch die heutige neue Empire-Kanzel (aus Stein) ersetzt. Die Kanzel ist eines der wenigen in Höchst selbst gefertigten Ausstattungsteile der Kirche. Der Innenraum der Kirche wird geweißt, die Säulen rot angemalt. Die heutigen barocken Seitenaltäre werden aus dem in der Säkularisation aufgehobenen Kloster Gottesthal (Östrich/Rhein) nach Höchst übertragen.

1822Der Hochaltar bekommt einen neuen Unterbau (Höchster Schreinerei Jakob Weingärtner)

1826An Ostern erfolgt ein schwerer Kirchenraub: Eine Monstranz und Silbergerät werden gestohlen.1828Wiederherstellung der Orgel

1830Eine neue Kirchenbestuhlung (aus Ebenholz) wird angeschafft. Gleichzeitig werden in den veir "Chörchen" (den Kapellen an der Nordseite) die Altäre ausgeräumt. Es handelt sich dabei um einen Antonius-, Annen-,Muttergottes- und Aloisiusaltar.Höchst hat etwa 3000 Einwohner

1831Zwischen den Säulen im Schiff werden sechs gläserne Lüster aufgehängt


1832Der Chorraum wird geweißt, ebenso die bis dahin rot gestrichene Bretterdecke.

1833Fortsetzung dieser Arbeiten auch im Kirchenschiff. Die rot gemalten Säulen werden mit weißer Ölfarbe gestrichen, die Fenstersimse blauweiß.

1834Für den Hochaltar werden neue messing-versilberte Leuchter angeschafft. Die Lüster im Schiff werden durch zwei zusätzliche, wesentlich schönere Lüster ergänzt (Stiftung der Franfurterin Vogelsang)

1839 Höchst erhält einen Bahnhof.
1843 eine Realschule.


1858Die Bildtafeln des ehemaligen Kreuzaltares kommen in die Wallfahrtskirche Marienthal im Rheingau und kehren erst 1935 (nach einem Zwischenaufenthalt im Konvikt in Hadamar ab 1905) in die Justinuskirche zurück, wo sie ihren heutigen Platz (Mittelkapelle) finden.

1863 entsteht die Firma Meister Lucius & Co, die Voräuferfirma des Höchstkonzerns.1873 Sicherung des Chorraumes durch Eisenanker

1881-88 Renovierungsarbeiten am Dachstuhl. Farbliche Neufassung "Maria immaculata" und der "Maria, mater dolorosa" auf den barocken Seitenaltären; vier Kirchenfenster an der Nordseite werden neu verglast (Schenkung der Pfarrgemeinde). Die neuen Fenstermotive: Der hl. Aloysius (Patron der Jugend); die Hl. Elisabeth (Patronin der Armen); die Hl. Margarethe (Patronin der Frauen) und der Hl. Justinus (Patron der Männer).1882: Die evangelische Stadtkirche wird gebaut

1893Der Maler Gottschalk schenkt der Kirche vier Heiligenstatuen aus Gips weiter, die er seinerseits von dem Besitzer des Bolongaropalastes erhalten hatte, aus dessen Kapelle sie entfernt werden sollten. Sie werden ergänzt durch vier weitere Statuen (Karl der Große, Rhabanus Maurus, Antonius, und Anna)


1894 Bei Renovierungsarbeiten ein Fresco über dem Triumpfbogen freigelegt: Eine Darstellung des Jüngsten Gerichtes aus den Jahren 1464-1468). Engelbrustbilder in den Wölbungen der südlichen Arkaden werden übermal und sind bis heute verschwunden. Zwei Engelfiguren werden in der Kirche als "Engelwache" aufgestellt. Eine kleine Orgel wird angeschafft.

1905 am Marktplatz der Neustadt entsteht eine jüdische Synagoge.

1909 wird die katholische Pfarrkirche St. Josef eingeweiht. Heute gehört die Justinuskirche zu diser Pfarrei.

1914 hat Höchst
14 000 Einwohner. 10 000 Mitarbeiter hat zu dieser Zeit bereits das Werk Höchst.

1918 wird Höchst von französischen Truppen eingenommen. Die Besatzungszeit endet 1930. Durch Eingemeindungen verdoppelt sich die Einwohnerzahl um

1918 auf ca 32 000 Bewohner.

1925Eine neue Orgel unter Belassung des äußeren Bildes wird eingebaut.


1928 wird Höchst in die Stadt Frankfurt eingemeindet.

1930-1932 Umfassende Renovierungsarbeiten an Mauerwerk, Gewölbe, Fenster und Fußboden. Die Ausmalungen von 1893 wird wieder beseitigt


1935 Der Kreuzaltar kommt in die Kirche zurück und findet seine Aufstellung in der Mittelkapelle (Nordseite)Während des Krieges bleibt Höchst weitgehend von Bombardierung und Zerstörung verschont. 1945 übernehmen die Amerikaner Höchst. Im ehemaligen Schloß richtet sich der Saldatensender AFN ein (bis 1966)
1947-49 ist Höchst Sitz der "Verwaltung für Wirtschaft" unter Leitung von Prof. Ludwig Erhard. Dieses Institut bereitet die Durchführung des Marshalplanes ebenso durch die die Währungsreform.

1961 übernehmen die Farbwerke Höchst das Höchster Schloss, renovieren es und richten dort ein Firmenmuseum ein.

1970Die Kirche erhält einen neuen InnenanstrichVon engagierten Bürgern wird die "Bürgervereinigung Höchster Altstadt" gegründet. In den folgenden Jahren wird Zug um Zug die gesamte Altstadt erneuert.

1976Die Kirche erhält einen neuen Außenputz


1982-1986 Konservierung des Kreuzaltares, des barocken Marienaltares, des Hochaltares; Neuverglasung der Chorfenster (Butzenscheiben)

1999 endet nach grundlegenden Umstrukturierungen, Auslagerungen, Verkäufen, Übernahmen und Fusionen die Höchst AG. Gravierende Auswirkungen auf die Stadt Höchst, die soziale Struktur und kulturelle Bereiche sind absehbar. Auswirkungen haben wird dies möglicherweise auch auf die Erhaltung der Justinuskirche, um die sich in den vergangenen Jahrzehnten das Werk durch großzügige Unterstützung verdient gemacht hatte.